Fischerei & Aquakultur
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Inhaltsverzeichnis
- Nachhaltige Fangmethoden: Einsatz von Verfahren, die Überfischung und Beifang reduzieren.
- Aquakultur-Technologie: Moderne Systeme für eine effiziente und umweltschonende Zucht.
- Rückverfolgbarkeit und Transparenz: Systeme, die Meeresfrüchte lückenlos von der Quelle bis zu den Verbraucher:innen nachvollziehbar machen.
- Umweltbelastung: Die Auswirkungen des Fischfangs auf marine Ökosysteme in den Griff bekommen.
- Folgen des Klimawandels: Der Umgang mit steigenden Meerestemperaturen und zunehmender Versauerung.
- Regulatorische Anforderungen: Sich in einem komplexen Geflecht unterschiedlicher internationaler Fischereivorschriften zurechtfinden.
Earth Observation für Fischerei & Aquakultur
Earth-Observation-Technologien liefern wertvolle Daten zu ozeanografischen und ökologischen Bedingungen, die das Leben im Meer und den Betrieb von Aquakulturen unmittelbar beeinflussen.
Nachhaltiges Fischereimanagement
Monitoring der Meeresoberflächentemperatur: EO-Satelliten erfassen die Temperatur der Meeresoberfläche, die marine Lebensräume und die Verteilung von Fischbeständen maßgeblich prägt. Indem sie Temperaturveränderungen verfolgen, können Fischereiverantwortliche Wanderungsbewegungen vorhersagen, den Fangaufwand optimieren und Beifang reduzieren. Diese Daten helfen, das Gleichgewicht mariner Ökosysteme zu wahren, indem sie Überfischung in sensiblen Gebieten verhindern.
Optimierung des Fangs: Die Kartierung von Lebensräumen einzelner Fischarten auf Basis von EO-Daten – kombiniert mit Wetterdaten und weiteren relevanten Parametern wie biogeochemischen Analysen, Topografie und Meeresströmungen. Diese Anwendung ist entscheidend, um den optimalen Zeitpunkt, Ort und die richtige Methode für den Fischfang zu bestimmen und so den Fang zu optimieren.
Kartierung der Chlorophyllkonzentration: Satelliten mit Sensoren zur Chlorophylldetektion liefern Daten zur Konzentration von Phytoplankton – einer primären Nahrungsquelle für viele Fischarten. Diese Erkenntnisse sind entscheidend, um die Grundlagen des marinen Nahrungsnetzes zu verstehen und ertragreiche Fanggründe zu identifizieren, was einen gezielteren und effizienteren Fischfang ermöglicht.
Genetische Vielfalt und Bestandsverbesserung: In Verbindung mit genetischen Informationen helfen EO-Daten dabei, die genetische Vielfalt wilder Fischbestände zu verstehen. Dieses Wissen unterstützt Zuchtprogramme, die Bestände widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Umweltveränderungen machen und so Produktivität und Nachhaltigkeit der Aquakultur steigern.
Modellierung von Klimafolgen: Die Verknüpfung von EO-Daten mit Klimamodellen eröffnet Einblicke in die künftigen Auswirkungen des Klimawandels auf marine Ökosysteme und die Fischerei. Diese Erkenntnisse sind entscheidend, um Strategien zu entwickeln, die Fischbestände und Aquakulturbetriebe gegen veränderte Meeresbedingungen wappnen.
Standortwahl für Aquakulturen
Bewertung der Wasserqualität: Earth-Observation-Technologien bewerten Parameter der Wasserqualität wie Trübung, Nährstoffgehalt und Schadstoffe in der Nähe küstennaher Aquakulturstandorte. Hochauflösende Aufnahmen helfen, Gebiete mit optimalen Bedingungen für die Aquakultur zu identifizieren und Veränderungen der Wasserqualität über die Zeit zu beobachten – zum Wohl und Wachstum der gezüchteten Arten. Hyperspektrale Aufnahmen von Satellitenplattformen liefern detaillierte Informationen zur Wasserqualität, indem sie Daten über ein breites Spektrum an Wellenlängen erfassen. So lassen sich spezifische Qualitätsindikatoren wie Algenblüten, Sedimentkonzentration und Schadstoffe mit beispielloser Präzision bestimmen. Für die Aquakultur bedeutet das, den Zustand der aquatischen Umwelt in Echtzeit zu überwachen und zu steuern und proaktiv auf mögliche Probleme zu reagieren.
Bathymetrische Vermessung: Satellitenaufnahmen lassen sich für die bathymetrische Vermessung potenzieller Aquakulturstandorte nutzen, um die Unterwassertopografie und geeignete Tiefen für die Fisch- und Muschelzucht zu bestimmen. Diese Informationen sind unverzichtbar, um eine Aquakultur-Infrastruktur zu planen, die Umweltauswirkungen minimiert und die Produktionseffizienz maximiert.
Umweltschutz und Einhaltung von Vorschriften
Synthetic Aperture Radar (SAR) zur Überwachung der Meeresumwelt: SAR-Technologie durchdringt Wolkendecken und arbeitet unabhängig vom Tageslicht, was eine durchgängige Überwachung mariner und küstennaher Umgebungen ermöglicht. Das ist besonders nützlich, um Aquakulturstandorte zu kartieren und zu überwachen, Ölteppiche aufzuspüren und Eisverhältnisse in Fanggebieten zu beobachten. SAR-Daten helfen zudem, Veränderungen der Küstentopografie zu erkennen, die Fischhabitate und Aquakulturstandorte beeinflussen.
Schutz von Lebensräumen und Biodiversität: EO-Daten unterstützen die Kartierung und Überwachung sensibler Lebensräume wie Korallenriffe, Mangroven und Seegraswiesen, die für den Lebenszyklus vieler Meeresarten entscheidend sind. Die kontinuierliche Beobachtung erlaubt es, die Auswirkungen von Aquakulturbetrieben auf diese Ökosysteme zu bewerten und Strategien zu ihrem Schutz und ihrer Wiederherstellung zu entwickeln.
Erkennung illegaler, unregulierter und nicht gemeldeter Fischerei (IUU): Fortschrittliche Algorithmen und Bildgebungstechnologien erkennen Schiffe und Aktivitäten, die auf IUU-Fischerei hindeuten. Durch die Verknüpfung von EO-Daten mit Signalen des Automatic Identification System (AIS) können Behörden illegale Fischfangaktivitäten identifizieren und verfolgen, Vorschriften durchsetzen und marine Ressourcen schützen.
Anpassung an den Klimawandel und Reduzierung von Katastrophenrisiken
Überwachung von Meeresspiegelanstieg und Küstenerosion: Earth-Observation-Technologien beobachten Trends beim Meeresspiegelanstieg und bei der Küstenerosion – entscheidend für die nachhaltige Planung und das Management küstennaher Aquakulturanlagen. Diese Weitsicht ermöglicht Anpassungsmaßnahmen, die die Infrastruktur schützen und ihre langfristige Tragfähigkeit sichern.
Frühwarnsysteme für schädliche Algenblüten (HABs): Satelliten erkennen die frühe Entstehung schädlicher Algenblüten, die sowohl für die Wildfischerei als auch für die Aquakultur ein erhebliches Risiko darstellen. Rechtzeitige Daten ermöglichen es, Gegenmaßnahmen einzuleiten und die Folgen für Fischgesundheit und Aquakulturproduktivität abzumildern.

GNSS für Fischerei & Aquakultur
GNSS spielt eine zentrale Rolle bei der Modernisierung der Fischerei- & Aquakulturbranche: Es erhöht die Navigationsgenauigkeit, verbessert das Ressourcenmanagement und unterstützt nachhaltige Verfahren.
Navigation und Schiffsverfolgung
Präzise Navigation für Fischereifahrzeuge: GNSS ermöglicht Fischereifahrzeugen eine bislang unerreichte Navigationsgenauigkeit, sodass Fischer:innen ergiebige Fanggründe oder bestimmte Aquakulturstandorte punktgenau ansteuern und wiederfinden. Das senkt den Treibstoffverbrauch und den Zeitaufwand für die Suche und steigert so Effizienz und Nachhaltigkeit im Betrieb.
Schiffsüberwachungssysteme (VMS): GNSS-gestützte VMS sind in vielen Regionen für kommerzielle Fischereiflotten vorgeschrieben. Sie verfolgen Schiffspositionen in Echtzeit und helfen Behörden, Fangaktivitäten zu überwachen und die Einhaltung von Fangquoten und Schutzgebieten sicherzustellen. Das unterstützt das Management mariner Ressourcen und den Kampf gegen illegale, unregulierte und nicht gemeldete (IUU) Fischerei.
Automatisierte Schiffsnavigation für Offshore-Anlagen: GNSS-Technologie ermöglicht den Einsatz vollautomatisierter Schiffe, die für den effizienten Betrieb von Offshore-Aquakulturen entscheidend sind. Diese Fahrzeuge nutzen präzise GNSS-Positionierung und -Navigation, um Aufgaben wie Fütterung, Wartung und Überwachung der Aquakulturanlagen zu übernehmen, was Effizienz und Sicherheit im Betrieb erhöht.
Lokalisierung von Bojennetzen: Der Einsatz von GNSS zur Lokalisierung von Bojennetzen ist eine aufkommende Anwendung. Diese Bojen sind unverzichtbar, um Umweltbedingungen zu überwachen, die Sicherheit der Navigation rund um Aquakulturstandorte zu gewährleisten und Ressourcen effizient zu managen.
Ressourcenmanagement
Präzisere Bestandserfassung: GNSS-Technologie ist entscheidend für exakte Erhebungen und wissenschaftliche Untersuchungen zu Fischbeständen und Wanderungsmustern. Durch die genaue Verfolgung markierter Fische oder den gezielten Einsatz von Messgeräten an bestimmten Orten gewinnen Forschende wertvolle Daten zu Verhalten, Bestandsgrößen und Lebensraumbedingungen – ein Beitrag zum nachhaltigen Fischereimanagement.
Ausbringen von Fanggerät: GNSS ermöglicht das präzise Ausbringen und Einholen von Fanggerät wie Netzen und Langleinen und minimiert so die Auswirkungen auf Nichtzielarten und sensible Lebensräume. Dieser präzise Ansatz hilft, Beifang und Umweltbelastung zu verringern, und fördert einen verantwortungsvolleren Fischfang.
Herkunftsnachweis und Öko-Kennzeichnung: GNSS-Daten von Fischereifahrzeugen lassen sich nutzen, um Ort und Intensität des Fangaufwands zu dokumentieren – eine unabhängige und verlässliche Datengrundlage für Herkunftszertifikate und Öko-Kennzeichnungen. So unterstützt diese Anwendung nachhaltige Fangmethoden, indem sie die Rückverfolgbarkeit vom Fang bis zu den Verbraucher:innen sicherstellt.
Aquakulturbetrieb
Standortwahl für Aquakulturen: GNSS-Daten helfen, optimale Standorte für Aquakulturanlagen zu ermitteln, indem sie geografische und ozeanografische Bedingungen analysieren. So entstehen Aquakulturbetriebe in Gebieten mit geeigneter Wasserqualität, passenden Strömungen und Tiefen – für maximale Produktivität bei minimalen Umweltauswirkungen.
Überwachung und Management von Fischereianlagen: GNSS-Technologie unterstützt das Management von Aquakulturanlagen wie Käfigen und Bojen und stellt sicher, dass diese korrekt positioniert und gesichert sind. Das ist besonders in der Offshore-Zucht wichtig, wo Strömungen und Wetter Anlagen verschieben und so Verluste oder Umweltschäden verursachen können.
Sicherheit auf See: GNSS spielt eine entscheidende Rolle für die Sicherheit von Fischereifahrzeugen und ihren Besatzungen. Dazu zählen GNSS-gestützte Navigationsgeräte für die präzise Standortverfolgung, mit AIS (Automatic Identification System) verknüpfte Kollisionswarnsysteme sowie Such- und Rettungseinsätze. GNSS-Daten tragen zur Sicherheit auf See bei, indem sie sicherstellen, dass Schiffe im Notfall schnell geortet werden können.

SatCom für Fischerei & Aquakultur
SatCom-Technologien eröffnen der Fischerei- & Aquakulturbranche unverzichtbare Kommunikationsmöglichkeiten und steigern Effizienz, Sicherheit und Nachhaltigkeit im Betrieb.
Kommunikation im Remote-Betrieb
Offshore-Konnektivität: Bei abgelegenen Offshore-Aktivitäten, wo herkömmliche Kommunikationswege unzuverlässig sind, sorgt SatCom für die nötige Verbindung. Es ermöglicht den Datenaustausch in Echtzeit zwischen Aquakulturanlagen und landgestützten Betrieben und unterstützt Fernüberwachung, die Steuerung von Fütterungssystemen, das Monitoring von Umweltbedingungen und Notfallwarnungen – für einen durchgängigen Betrieb und ein effizientes Management.
Flottenmanagement und -koordination: SatCom erleichtert die Steuerung und Koordination von Fischereiflotten in entfernten Gewässern. Es ermöglicht die Übermittlung von Navigationsrouten, Wetteraktualisierungen und Informationen zu Fanggebieten und optimiert so Flottenbewegungen und Fangaufwand. So wird sichergestellt, dass Schiffe innerhalb rechtlicher Grenzen und unter sicheren Bedingungen operieren – ein Gewinn für Nachhaltigkeit und Rentabilität des Fischfangs.
Betrieb autonomer Schiffe: Zu den aufkommenden SatCom-Anwendungen zählt die Unterstützung autonomer Schiffe für Überwachungs-, Inspektions- und Wartungsaufgaben an Aquakulturstandorten. Diese Fahrzeuge nutzen SatCom für Fernsteuerung und Datenübertragung und reduzieren so die Notwendigkeit menschlicher Präsenz in gefährlichen oder abgelegenen Gebieten.
Notrufsysteme: Im Notfall oder bei einer Gefahrensituation auf See ist SatCom eine unverzichtbare Lebensader. Schiffe können Notsignale senden und unabhängig von ihrem Standort mit Rettungsleitstellen kommunizieren. Das verbessert die Wirksamkeit von Such- und Rettungseinsätzen erheblich, rettet potenziell Leben und verringert das Risiko von Seeunglücken.
Datenerfassung und Umweltmonitoring
Datenübertragung in Echtzeit: SatCom ermöglicht die Echtzeitübertragung von Daten, die Sensoren und Geräte an Bord erfassen – etwa Wassertemperatur, Salzgehalt, Sauerstoffwerte und Wetterbedingungen. Diese Daten sind entscheidend für das Umweltmonitoring und die Entscheidungsfindung im Aquakulturbetrieb und ermöglichen rechtzeitige Anpassungen, um die Produktivität zu maximieren und Umweltauswirkungen zu minimieren.
Unterstützung von Forschung und Naturschutz: Indem es Konnektivität in abgelegenen Meeresregionen bereitstellt, ermöglicht SatCom Forschungsschiffen und Naturschutzprojekten, Erkenntnisse in Echtzeit zu übermitteln, Daten mit Forschungszentren weltweit zu teilen und enger zusammenzuarbeiten. Das unterstützt die laufende Forschung zu marinen Ökosystemen, Fischverhalten und Umweltauswirkungen und trägt zu Naturschutz und nachhaltigen Branchenpraktiken bei.
Integration von IoT- und KI-Technologien: SatCom ist unverzichtbar für die Integration von Internet-of-Things- (IoT) und Künstliche-Intelligenz-Technologien (KI) in Fischerei und Aquakultur. Es ermöglicht die Übertragung großer Datenmengen von IoT-Geräten zur KI-Analyse und liefert so Erkenntnisse, die Betriebsabläufe effizienter machen, vorausschauende Wartung ermöglichen und nachhaltige Verfahren unterstützen.
Marktzugang und Rückverfolgbarkeit
Marktzugang in Echtzeit: SatCom-Technologie ermöglicht Fischer:innen und Aquakulturbetreiber:innen den Zugriff auf Marktinformationen in Echtzeit, sodass sie fundiert entscheiden können, wo und wann sie ihren Fang verkaufen – für höhere Gewinne und weniger Verschwendung.
Rückverfolgbarkeit und Lieferkettenmanagement: Mit SatCom kann die Branche Rückverfolgbarkeitssysteme einführen, die Meeresfrüchte vom Fang bis zu den Verbraucher:innen nachverfolgen. Das verbessert das Lieferkettenmanagement, erhöht die Transparenz der Herkunft und erfüllt die Nachfrage nach nachhaltig und ethisch gewonnenen Produkten.

Innovative Anwendungen
Autonome Unterwasserfahrzeuge (AUVs) zur Lebensraumkartierung: Mit satellitengestützten Navigationssystemen ausgestattete AUVs führen detaillierte Vermessungen des Meeresbodens durch, identifizieren potenzielle Standorte für die Aquakultur und kartieren Lebensräume, die für den Lebenszyklus der Zielarten entscheidend sind. Diese Informationen unterstützen den nachhaltigen Ausbau der Aquakultur und den Schutz der marinen Biodiversität.
Robotersysteme für die Präzisionsaquakultur: Auf Basis von Satellitentechnologie für Fernerkundung und Steuerung lassen sich Robotersysteme entwickeln, die Aufgaben wie Fütterung, Reinigung und Gesundheitsüberwachung in Aquakulturanlagen automatisieren. Solche Systeme steigern die Effizienz, senken die Personalkosten und minimieren menschliche Fehler – ein Gewinn für Produktivität und Nachhaltigkeit.
Predictive Analytics für das Bestandsmanagement: Durch die Verknüpfung von Satellitendaten mit KI- und Machine-Learning-Algorithmen lassen sich Prognosemodelle entwickeln, die die Dynamik von Fischbeständen vorhersagen – etwa Wachstumsraten, Wanderungsmuster und Populationsdichten. Diese Erkenntnisse ermöglichen es Fischereiverantwortlichen, fundierte Entscheidungen über Quotenzuteilungen, Fangaufwand und Schutzmaßnahmen zu treffen, und fördern so einen nachhaltigen Fischfang.
Machine Learning zur Krankheitserkennung und -prävention: KI- und Machine-Learning-Algorithmen analysieren Daten verschiedener satellitengestützter und In-situ-Sensoren, um frühe Anzeichen von Krankheitsausbrüchen in Aquakulturbetrieben zu erkennen. Die frühe Erkennung ermöglicht rechtzeitiges Eingreifen, begrenzt die Ausbreitung von Krankheiten, minimiert Verluste und sichert Gesundheit und Wohlergehen der gezüchteten Arten.