# Hochwasserrisiko und Frühwarnung mit Satellitendaten

Satelliten helfen vor und während eines Hochwassers. Vorher können archivierte Überflutungsflächen und Versiegelungskarten die Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten ergänzen, die EU-Mitgliedstaaten führen müssen. Während eines Ereignisses kartieren Radarsatelliten das Wasser durch Wolken hindurch, bei Tag und Nacht, und das europäische Hochwasserwarnsystem EFAS liefert Behörden Vorhersagen bis zu zehn Tage im Voraus.

## So funktioniert es

Satellitendaten unterstützen drei Aufgaben, für die es jeweils eigene Dienste gibt: das Risiko vor einem Hochwasser kartieren, ein Hochwasser vorhersagen und das Wasser kartieren, solange es steht.

### Risikokarten vor dem Hochwasser

Die EU-Mitgliedstaaten führen Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten für Szenarien mit niedriger, mittlerer und gegebenenfalls hoher Wahrscheinlichkeit. Die Karten zeigen die Ausdehnung der Überflutung und die Wassertiefe oder den Wasserstand und werden alle sechs Jahre überprüft [1]. Satellitendaten können diese Karten ergänzen. Überflutungsflächen aus dem Sentinel-1-Archiv reichen bis 2015 zurück [4], und Versiegelungskarten zeigen, wo Regenwasser nicht mehr versickern kann [7]. In Kombination mit digitalen Geländemodellen werden Hochwasserkarten genauer, und Wassertiefen lassen sich abschätzen [6].

### Vorhersage und Frühwarnung

Das European Flood Awareness System (EFAS), Teil des Copernicus Emergency Management Service, verknüpft Satellitendaten, Wetter- und hydrologische Modelle sowie historische Aufzeichnungen. Es liefert probabilistische Hochwasservorhersagen mit einer Vorlaufzeit von bis zu zehn Tagen und benachrichtigt seine Partner, darunter nationale, regionale und lokale Behörden. EFAS ergänzt die nationalen und regionalen Vorhersagesysteme, ersetzt sie aber nicht [2].

### Das Wasser während des Hochwassers kartieren

Radarsatelliten wie Sentinel-1 liefern Bilder bei jedem Wetter, bei Tag und Nacht [3]. Wolken versperren ihnen also nicht die Sicht. Das Produkt Global Flood Monitoring kartiert die überflutete Fläche automatisch aus jeder neuen Sentinel-1-Aufnahme [4]. Für detaillierte Karten eines bestimmten Ereignisses können berechtigte Stellen beim Copernicus Emergency Management Service eine kostenlose Kartierung auf Anfrage anfordern [5].

**Abbildung:** Illustrative Karte, keine echten Daten. Hochwassergefährdete Flächen entlang des Flusses, wie eine Risikokarte sie darstellt.

## Was Sie erhalten

Hochwasserdaten unterstützen Planung, Vorsorge und Einsatz, jeweils in ihrem eigenen Takt.

- **Karten der Überflutungsflächen** für vergangene Ereignisse und für ein laufendes Hochwasser, als Layer für Ihr GIS.
- **Eine Hochwasserchronik** Ihres Gebiets aus dem Sentinel-1-Archiv, um zu prüfen, wo tatsächlich Wasser stand.
- **Versiegelungskarten**, die zeigen, wo Starkregen nicht versickern kann, als Grundlage für Entwässerungsplanung und Starkregenvorsorge.
- **Vorhersageinformationen** über EFAS für die Behörden, die zu seinen Partnern zählen.
- **Schnelle Schadenskarten** nach einem Ereignis, wenn eine berechtigte Stelle den Copernicus Emergency Management Service für Ihr Gebiet aktiviert.

## Grenzen

**Grenzen**

- **Bebauung und Wald erschweren die Radarerkennung:** Radar erkennt Hochwasser nicht auf jeder Oberfläche gleich gut. Wasser zwischen Gebäuden und unter dichter Vegetation ist schwer zu erfassen \[6]. Das automatische Produkt Global Flood Monitoring versieht jede Erkennung mit einem Wahrscheinlichkeitswert, sodass sich unsichere Ergebnisse mit der nötigen Vorsicht lesen lassen \[4].
- **Der Höchststand kann zwischen zwei Überflügen liegen:** Ein Satellit kartiert das Wasser zum Zeitpunkt des Überflugs. Der höchste Wasserstand kann zwischen zwei Überflügen liegen, und kurze Sturzfluten nach Starkregen werden womöglich gar nicht erfasst.
- **Optische Daten brauchen klaren Himmel:** Optische Aufnahmen sind durch Wolken eingeschränkt \[6]. Radar schließt die Lücke, wenn Wolken die Sicht versperren.

Vorhersagen und Benachrichtigungen von EFAS gehen zuerst an die Partnerbehörden und werden erst nach einer Sperrfrist von 30 Tagen öffentlich [2].

## Verwandte Anwendungsfälle

- [Schadenskartierung nach Katastrophen](https://leto.space/de/anwendungsfaelle/katastrophen-schadenskartierung/): Schadenskarten und Notfallkommunikation nach einem Ereignis.
- [Klimarisiken von Immobilien](https://leto.space/de/anwendungsfaelle/klimarisiko-immobilien/): Hochwasser- und Waldbrandrisiko für Gebäude und Anlagen.
- [Versicherungsschäden prüfen](https://leto.space/de/anwendungsfaelle/schadenspruefung/): Schadenmeldungen nach Hochwasser und Sturm überprüfen.

## Anbieter finden und einsteigen

Über die kostenlosen Copernicus-Dienste hinaus bieten Anbieter Hochwassermodelle, Risikokarten und Monitoringdienste an. Der [Spacegraph-Marktplatz](https://leto.space/de/spacegraph/) hat eine eigene Kategorie für Hochwasserkartierung und -modellierung.

Ob Sie die kostenlosen Dienste um einen kommerziellen ergänzen, hängt von der nötigen Detailtiefe, der Geschwindigkeit und dem Format ab. Wir helfen Ihnen, diese Anforderungen angebotsfähig zu formulieren, und vergleichen die Angebote, die Sie erhalten.

[Anforderungen und Beschaffung](https://leto.space/de/beratung/beschaffung/)

## Häufige Fragen

### Welche Satellitendaten werden für die Hochwasserkartierung genutzt, und wie schnell stehen sie zur Verfügung?

Gut geeignet sind Radardaten von Sentinel-1, weil Radar bei Tag und Nacht durch Wolken hindurchsieht [3]. Das Produkt Global Flood Monitoring des Copernicus Emergency Management Service leitet aus jeder neuen Sentinel-1-Aufnahme automatisch und nahezu in Echtzeit eine Karte der überfluteten Fläche ab und reicht mit seinen Hochwasserinformationen bis ins Jahr 2015 zurück [4]. Eine neue Aufnahme gibt es allerdings nur, wenn ein Satellit das Gebiet überfliegt.

### Kann eine Stadt während eines Hochwassers Satellitenkarten anfordern?

Nur über berechtigte Stellen. Die Kartierung auf Anfrage des Copernicus Emergency Management Service ist kostenlos und kann nur von dafür benannten berechtigten Stellen ausgelöst werden [5]. Welche Stellen das sind und wie eine Anfrage abläuft, erklärt der Anwendungsfall zur [Schadenskartierung nach Katastrophen](https://leto.space/de/anwendungsfaelle/katastrophen-schadenskartierung/).

### Wie starten wir ein Pilotprojekt zur Hochwasserrisikokartierung?

Beginnen Sie mit der Entscheidung, die die Karte unterstützen soll: einem Notfallplan, der Raumplanung, dem Schutz einer bestimmten Anlage oder der Starkregenvorsorge. Sammeln Sie, was bereits vorliegt, etwa die amtlichen Gefahrenkarten, lokale Geländedaten und Aufzeichnungen früherer Ereignisse, und testen Sie, welche Satellitenprodukte zusätzliche Informationen liefern.

## Quellen

1. [Directive 2007/60/EC of the European Parliament and of the Council of 23 October 2007 on the assessment and management of flood risks, European Union, EUR-Lex, 2007-10-23](https://eur-lex.europa.eu/eli/dir/2007/60/oj/eng)
2. [Observer: How the EU Space Programme supports flood preparedness, the role of the European Flood Awareness System (EFAS), EU Space Programme (Copernicus Observer), 2025-01-29](https://eu-space.europa.eu/news/observer-how-eu-space-programme-supports-flood-preparedness-role-european-flood-awareness-system-efas)
3. [Sentinel-1, European Space Agency (ESA), abgerufen am 2026-10-06](https://www.esa.int/Applications/Observing_the_Earth/Copernicus/Sentinel-1)
4. [Estimating Ensemble Likelihoods for the Sentinel-1-Based Global Flood Monitoring Product of the Copernicus Emergency Management Service, Krullikowski et al., IEEE Journal of Selected Topics in Applied Earth Observations and Remote Sensing, vol. 16, pp. 6917-6930, 2023](https://doi.org/10.1109/JSTARS.2023.3292350)
5. [About the Copernicus EMS On-Demand Mapping service, Copernicus Emergency Management Service, abgerufen am 2026-10-07](https://mapping.emergency.copernicus.eu/about/)
6. [Recommended Practice: Flood Mapping with Sentinel-1 and Sentinel-2 Imagery and Digital Terrain Models, UN-SPIDER (United Nations Office for Outer Space Affairs), abgerufen am 2026-10-06](https://un-spider.org/advisory-support/recommended-practices/recommended-practice-flood-mapping-sentinel-1-and-sentinel-2)
7. [Copernicus Land Monitoring Service: High Resolution Layer Imperviousness, abgerufen am 2026-10-04](https://land.copernicus.eu/en/products/high-resolution-layer-imperviousness)

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