# GNSS-Jamming und Spoofing: Betriebsabläufe absichern

Der Schutz beginnt mit dem Wissen, wo Abläufe von GNSS abhängen, auch dort, wo die Abhängigkeit versteckt ist, etwa über Zeitserver im Netzwerk. Danach werden Empfänger sorgfältig ausgewählt und platziert und die Signale überwacht. Authentifizierte Navigationsdaten von Galileo helfen, Spoofing zu erkennen, und eine unabhängige Rückfallebene wie eine Holdover-Uhr oder Trägheitsnavigation überbrückt einen Ausfall.

## Warum GNSS-Störungen ein Geschäftsrisiko sind

GNSS liefert Position und Zeit für Fahrzeuge, Schiffe, Maschinen, Telekommunikationsnetze und Stromnetze. Die Signale kommen am Boden schwächer an als das Umgebungsrauschen, deshalb kann schon eine schwache Störquelle einen Empfänger beeinträchtigen [2]. Die EASA beschreibt zwei Formen absichtlicher Störung [1]:

- **Jamming**: Funkstörungen, die verhindern, dass ein Empfänger die Satellitensignale erfasst. Der Dienst fällt aus oder wird ungenauer.
- **Spoofing**: gefälschte Satellitensignale, die einen Empfänger eine falsche Position, Navigation oder Zeit berechnen lassen.

Die Folgen reichen von geringerer Genauigkeit bis zu plötzlichen Sprüngen in Zeit, Position oder Richtung. Ein Empfänger, der weiter Werte meldet, kann gefährlich irreführende Informationen an die Systeme weitergeben, die sich auf ihn verlassen. Systeme, die präzise Zeit aus GNSS beziehen, laufen meist automatisiert und oft unbeaufsichtigt und sind deshalb stärker gefährdet [2].

- **Aktuelles EASA-Bulletin zu GNSS-Störungen:** SIB 2022-02R4, 3. Juli 2026
- **Versuchte Cyberangriffe auf die Schifffahrt seit Februar 2020, inkl. GNSS-Jamming und -Spoofing:** vervierfacht
- **Galileo OSNMA in Betrieb seit:** 24. Juli 2025

Die Angaben stammen von der EASA [1], aus dem EUSPA EO and GNSS Market Report 2024, der sich dabei auf die Schifffahrt bezieht [4], und von der EUSPA [3]. Die EASA verzeichnet seit Februar 2022 eine deutliche Zunahme von Jamming und Spoofing und nennt unter den betroffenen Gebieten das Mittelmeer, das Schwarze Meer, den Nahen Osten, die Ostsee und die Arktis [1].

## So funktioniert der Schutz

Der Schutz besteht aus vier Ebenen. Keine davon reicht für sich allein.

1. **Abhängigkeiten kennen.** Selbst aufmerksamen Betreibern ist oft nicht ganz bewusst, wie stark sie auf GNSS angewiesen sind. Systeme, die unabhängig wirken, etwa manche Zeitdienste im Netzwerk, können ihre Zeit von GNSS-Empfängern beziehen. Der britische Blackett-Bericht empfiehlt Betreibern kritischer Infrastruktur deshalb, ihre Abhängigkeit von GNSS zu überprüfen, ob direkt oder über andere Systeme [2].
2. **Empfänger härten.** Ortsfeste Empfänger sind stärker exponiert als mobile. Eine Antenne mit freier Sicht zum Himmel, abseits von Straßen montiert, vermeidet viele Störfälle. Professionelle Empfänger prüfen die Plausibilität der Signale, während Komponenten für den Massenmarkt Störungen leicht zum Opfer fallen [2].
3. **Erkennen und authentifizieren.** Systeme, die das Funkspektrum überwachen, erkennen Jamming und Spoofing und alarmieren die Nutzer:innen [2]. Mit Galileo OSNMA können zivile Empfänger prüfen, ob die Navigationsdaten echt sind [3]. In der Luftfahrt fordert die EASA Betreiber auf, die Position mit Navigationshilfen abzugleichen, die nicht auf GNSS beruhen, und Spoofing-Vorfälle zu melden [1].
4. **Ausfälle überbrücken.** Fällt GNSS aus, hält ein Holdover-Oszillator, etwa eine Quarz-, Rubidium- oder Cäsiumuhr, die Zeit eine Weile aufrecht, und ein Trägheitsnavigationssystem schätzt die Position weiter [2]. Der Bericht empfiehlt für kritische Infrastruktur Rückfallsysteme, die von GNSS unabhängig sind [2].

**Abbildung:** Wo die vier Schutzebenen ansetzen: Die Ebenen 1 und 4 (Abhängigkeiten kennen, Ausfälle überbrücken) schützen Ihre Systeme, Ebene 2 härtet den Empfänger, Ebene 3 (Erkennen und authentifizieren) deckt Signal und Empfänger ab. Jamming und Spoofing wirken auf die Funkstrecke zwischen Satelliten und Empfänger. Schematische Darstellung.

Wie die Zeitsynchronisation für Stromnetze ausgelegt wird, auch mit Galileo als zweiter Quelle neben GPS, behandelt der Anwendungsfall [Präzise Zeitsynchronisation für Stromnetze](https://leto.space/de/anwendungsfaelle/zeitsynchronisation-stromnetz/). Die Grundlagen erklärt unsere Seite [Was ist GNSS?](https://leto.space/de/wissen/satellitennavigation/).

## Was Sie erhalten

- Eine Bestandsaufnahme aller Systeme, die Position oder Zeit aus GNSS beziehen, einschließlich indirekter Abhängigkeiten.
- Anforderungen an Genauigkeit, Integrität, Verfügbarkeit und Kontinuität für jede Anwendung, wie es der Blackett-Bericht für Beschaffende empfiehlt [2].
- Erkennung von Jamming und Spoofing, mit Alarmen, die die zuständigen Personen erreichen.
- Eine Rückfallebene für jede kritische Abhängigkeit, mit der Zeitspanne, die sie überbrücken muss.

## Grenzen

**Grenzen**

- **Authentifizierung verhindert kein Jamming:** OSNMA bestätigt, dass die Navigationsdaten echt sind \[3]. Jamming kann jedoch verhindern, dass ein Empfänger die Signale überhaupt erfasst \[1]. Der Betrieb braucht also weiterhin eine Rückfallebene.
- **Jede Rückfallebene driftet:** Eine Holdover-Uhr entfernt sich nach und nach von der GNSS-Zeit. Ihre Qualität bemisst sich daran, wie lange sie eine bestimmte Genauigkeit hält. Trägheitsnavigation sammelt mit der Zeit Fehler an \[2]. Eine Rückfallebene überbrückt einen Ausfall, sie ersetzt GNSS nicht auf Dauer.
- **Mehr Satelliten bedeuten nicht mehr Schutz:** Zusätzliche Konstellationen wie Galileo verringern die Abhängigkeit von GPS, die Probleme durch Störungen bleiben aber bestehen \[2].

## So unterstützen wir Sie

Wir finden mit Ihnen heraus, wo Ihre Abläufe von GNSS abhängen und was ein Ausfall oder ein falsches Signal jeweils kosten würde. Im Leistungsbereich [Anforderungen und Beschaffung](https://leto.space/de/beratung/beschaffung/) legen wir Empfänger, Erkennung und Rückfallebenen fest und vergleichen Anbieter anhand dieser Vorgaben. In der [Umsetzung](https://leto.space/de/beratung/umsetzung/) testen wir die Rückfallebene, bevor sie gebraucht wird.

Wer weltraumgestützte Lösungen anbietet, zeigt [Spacegraph](https://leto.space/de/spacegraph/), unsere Discovery-Plattform.

## Verwandte Anwendungsfälle

- [Präzise Zeitsynchronisation für Stromnetze](https://leto.space/de/anwendungsfaelle/zeitsynchronisation-stromnetz/): Warum Stromnetze auf GNSS-Zeit angewiesen sind und wie sie widerstandsfähig wird.
- [Flotten außerhalb der Mobilfunkabdeckung orten](https://leto.space/de/anwendungsfaelle/flottenortung/): GNSS-Positionen, die per Satellit übertragen werden, wo das Mobilfunknetz endet.
- [Maschinensteuerung und Vermessung mit GNSS](https://leto.space/de/anwendungsfaelle/gnss-maschinensteuerung/): Satellitenpositionierung auf Baustellen.
- [Satellitendaten für Mobilität und Logistik](https://leto.space/de/branchen/mobilitaet-und-logistik/): Alle Anwendungsfälle für Transport und Logistik.

## Häufige Fragen

### Was ist der Unterschied zwischen Jamming und Spoofing?

Jamming ist eine Funkstörung, die verhindert, dass ein Empfänger die Satellitensignale erfasst. Position und Zeit gehen dann verloren oder werden ungenauer. Beim Spoofing werden gefälschte Satellitensignale ausgestrahlt, sodass der Empfänger eine falsche Position, Navigation oder Zeit berechnet [1]. Ein getäuschter Empfänger liefert weiter eine Position, und das System erkennt unter Umständen nicht, dass es kompromittiert wurde [2].

### Schützt Galileo vor Spoofing?

Die Open Service Navigation Message Authentication (OSNMA) von Galileo ist seit dem 24. Juli 2025 in Betrieb. Damit können zivile Empfänger prüfen, ob die verwendeten Navigationsdaten echt sind [3]. Das hilft einem Empfänger, gefälschte Signale zu erkennen. Gegen Jamming hilft es nicht, eine Rückfallebene bleibt also nötig.

### Wie fangen wir an?

Mit einer Bestandsaufnahme: Welche Systeme beziehen Position oder Zeit aus GNSS, direkt oder über andere Systeme, und was passiert in jedem von ihnen, wenn das Signal ausfällt oder falsch ist? Darauf aufbauend legen wir für jede kritische Abhängigkeit Anforderungen und eine Rückfallebene fest. Unsere [Beratungsübersicht](https://leto.space/de/beratung/) zeigt den Weg vom Problem bis zum Regelbetrieb.

## Quellen

1. [Global Navigation Satellite System (GNSS) outages and alterations, European Union Aviation Safety Agency (EASA), 2026-07-03](https://www.easa.europa.eu/en/domains/air-operations/global-navigation-satellite-system-outages-and-alterations)
2. [Satellite-derived time and position: a study of critical dependencies (Blackett review), UK Government Office for Science, 2018-01-30](https://www.gov.uk/government/publications/satellite-derived-time-and-position-blackett-review)
3. [From Testing to Operations: Galileo OSNMA Service Now Available to Users, EU Agency for the Space Programme (EUSPA), 2025-09-05](https://www.euspa.europa.eu/newsroom-events/news/testing-operations-galileo-osnma-service-now-available-users)
4. [EUSPA EO and GNSS Market Report, Issue 2, 2024, EU Agency for the Space Programme (EUSPA), 2024](https://www.euspa.europa.eu/sites/default/files/external/publications/euspa_market_report_2024.pdf)

Seite: <https://leto.space/de/anwendungsfaelle/gnss-resilienz/>
